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Mädchenkantorei Basel 17. Oktober 2006, Konzert zur Erinnerung an das grosse Erdbeben vom 18. Oktober 1356

Dienstag, 17. Okt. 2006, 20.00 Uhr
Dorfkirche St. Arbogast

Mädchenkantorei Basel
Leitung: Cordula Bürgi und Christoph Huldi
Am Klavier: Judith Flury


        
Programm

Henry Purcell: Come ye sons of Art

"Neues Leben blüht aus den Ruinen", Grusswort von Herrn Altregierungsrat Dr. h.c. Peter Schmid

Llibre Vermell de Montserrat 14. Jh.: Laudamus virginem
Codex Montpellier 14. Jh.: Alleluia
Georg Friedrich Telemann: Wie lieblich sind deine Wohnungen

Quellentexte zum Erdbeben vor 650 Jahen: Helen Liebendörfer

Winnagene Hatch: Ave Maria
Kurt Bestor: Prayer of the children
Michael Head (1900- 1976): Aver Maria

Erläuterungen zum Erdbeben und den Schäden in Muttenz: Helen Liebendörfer

J. Barron: Grace
Stephen Hatfield: One drop

Erläuterungen zur Zeit danach: Helen Liebendörfer

Pekki Kostiainen: Jaakobin pojat (Söhne Jakobs)
Spiritual, Arr. Ken Berg: I'm going to sing

Eintritt: Fr. 20.-
Mitglieder Fr. 15.-
Studenten, Studentinnen (gegen Ausweis) Fr. 10.-,
SchülerInnen bis 16 J. gratis

Konzertpremiere in der St. Arbogast-Kirche

Peter Gschwind

Mit dem Konzert zur Erinnerung an das grosse Erdbeben startete der Kulturverein Muftenz am Dienstag seine Tätigkeit.

«Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen.» Nach dem klangvollen Auftakt der Mädchenkantorei unter der Leitung von Cordula Bürgi und Christoph Huldi mit dem Werk « Come ye sons of Art» von Henry Purcell war die Serie an alt Regierungsrat Peter Schmid, der das Zitat von Friedrich Schiller und zugleich ein Untertitel des Konzertprogrammes in ein deutlich harmloseres Licht stellte.

Premiere für den Kulturverein Muttenz
Neben der musikalischen und vokablen Erinnerung an das grosse Erdbeben von 1356 hatte das Konzert in der St. Arbogast-Kirche einen weiteren Grund. Der neu gegründete Kulturverein Muttenz feierte mit der Musikveranstaltung die erste Aufführung.

«Die Gründung des Kulturver¬eins Muttenz ist ein mutiger und anspruchsvoller Schritt.» Peter Schmid erklärte, dass dort, wo früher «Ars Mittenza» war, nach Jahren des Unterbruchs nun der Kulturverein Muttenz tätig ist.

Tram Nummer 14 als Kulturverbindungslinie

Die Gemeinde ist nicht von Kulturlosigkeit umzingelt. Schmid betonte, dass die Tramlinie 14 uns ja bequem und rasch zu sehr vielen Veranstaltungsorten in Basel fährt. «Kunst ist in mancher Beziehung grenzenlos. Die einzige Grenze, die von Bedeutung ist, ist wohl die Qualität. Deshalb rate ich dem Kulturverein dazu, ja nicht dem sattsam bekannten Anti-Basler-Reflex zu verfallen.» Redegewandt munterte Peter Schmid die Mitglieder und Zuhörerschaft auf, sich vor den Berufsbaselbietern, die das kulturelle Engagement gleich für einen überholten Föderalismus und eine Abgrenzung gegenüber unserer Nachbarstadt instrumentalisieren wollen, zu hüten.

Dass in Muttenz eine lebhafte Kulturtätigkeit zu beobachten ist, dies beweisen auch die Kantorei St. Arbogast mit anspruchsvollen Konzerten, die Theatergruppe rattenf änger mit den Open-air-Vorführungen oder der Sommeranlass «Jazz uf em Platz». Ein neues «Zitern», ein Ruck ohne Schaden, sondern mit Gewinn für Kunstschaffende, soll die Gründung des Kulturvereins in Muttenz auslösen.

«Und neues Leben blüht aus den Ruinen.» Das bekannte Schiller-Zitat, welches Peter Schmid spontan als Titel seiner Gedanken wählte, trifft auch auf die Sängerinnen der Mädchenkantorei zu. Die frischen Stimmen liessen das Jubiläumsprogramm «1S Jahre Mädchenkantorei Basel» zu einem wunderbaren Ohrenschmaus werden. Die übergreifende Raumakustik in der St. Arbogast-Kirche und die Kompositionen aus der Zeit des Bebens sorgten dafür, dass dieses Mal das Rütteln in den Herzen des begeisterten Publikums vonstatten ging.

Anmerkungen und Texte zum Erdbeben

Erläuterungen zum Erdbeben in Muttenz und zu den damals entstandenen Schäden überbrachte Helen Liebendörfer. Die Dorfkirche wurde am 18. Oktober 1356 selber in grosse Mitleidenschaft gezogen, was das Publikum gleich an Ort und Stelle zu hören bekam. Daher passte der gewählte «Konzertsaal» ausgezeichnet zu diesem musikalischen Einstieg des Kulturvereins Muttenz.

Auch in Muttenz bebte die Erde

Der Kulturverein Muttenz startet durch: Die Aufführung überzeugte restlos

Mit einer Gedenkfeier zum Erdbeben von 1356 begann der neu gegründete Kulturverein Muttenz sein Veranstaltungsprogramm. Gesänge der Mädchenkantorei Basel wechselten mit historischen Erläuterungen.

MARC SCHAFFNER

Verdienter Applaus für eine wirklich gelungene Veranstaltung: In der Kirche St. Arbogast legte der frisch gegründete Kulturverein Muttenz einen überzeugenden Start hin. Der Anlass war zwar eher ein ernster; denn das Konzert der Mädchenkantorei Basel sollte an das Basler Erdbeben von 1356 erinnern. Die Stimmung in der voll besetzten Kirche war jedoch erwartungsfreudig und zukunftsgerichtet, oder um es mit Schillers Worten zu sagen: «Neues Leben blüht aus den Ruinen.»

Dieses Zitat bemühte auch Peter Schmid, Muttenzer alt Regierungsrat, in seiner Ansprache. Hatte der vor sechs Jahren aufgelöste Verein Ars Mittenza eine Lücke im Kulturleben von Muttenz hinterlassen; so steht der neue Verein für ein neues Aufblühen. «Die Gründung ist ein mutiger und anspruchsvoller Schritt», hielt Schmid fest. Denn die Gemeinde sei ja nicht gerade von Kulturlosigkeit umzingelt: Die Tramlinie 14 führe die Muttenzer bequem zu vielen Veranstaltungsorten in Basel.

Warnung vor Berufs-Baselbietern

Unterscheiden könne sich Muttenz nur durch Qualität. «Aber man sollte nicht in einen Anti-Basel-Reflex verfallen», betonte Schmid. «Hüten Sie sich vor Berufs-Baselbietern, die kulturelles Engagement für einen überholten Föderalismus instrumentalisieren wollen.» Die wesentliche Frage sei, wie es den heute in Muttenz lebenden Künstlern gehe, wie und wovon sie lebten und was mit ihren Werken geschehe.

Wenn auch dank der Vereinsgründung ein Ruck oder Beben durch die Gemeinde geht, so wollte Peter Schmid die Analogie zum grossen Erdbeben von 1356 nicht überstrapazieren. Stattdessen legte er das Augenmerk auf die Ohnmachtsgefühle, die Medienberichte über heutige Erdbeben auslösen. Das Erinnern an 1356 sollte eigentlich die Solidarität mit Opfern von Katastrophen in aller Welt stärken. «Ich bin weit davon entfernt, Kriege und Katastrophen als Chancen zu werten, aber dennoch ist jedes Zeichen zum Wiederaufbau ein Zeichen von Hoffnung», sagte Schmid.

Hoffnung: verströmten auch die Werke, welche die Mädchen und jungen Frauen der Mädchenkantorei Basel unter der Leitung von Cordula Bürgi und. Christoph Huldi vortrugen. Mit Henry Purcell beschworen sie einen Triumphtag herauf, mit Gesängen aus dem 14. Jahrhundert und moderneren Stücken lobten sie die Jungfrau Maria. Später folgten ausgefallenere Stücke, darunter eines von einem finnischen Komponisten mit Sprech-Chor-Elementen,bei dem die Söhne Jakobs aufgezählt wurden.

Den Abschluss machte das jazzige Spiritual «I'm going to sing», bei dem eine junge Solistin ihr Können zeigte. Zwischen den musikalischen Beiträgen las Helen Liebendörfer, Präsidentin des Kulturvereins*,. Quellentexte aus der Zeit nach 1356. So war zu erfahren, dass bei dem Beben auch Teile der Muttenzer Kirche einstürzten, wie noch heute an den Pfeilern abzulesen ist. Helen Liebendörfer erzählte aber -auch von den «kräftigen Mannen», die nach Basel eilten, um beim Wiederaufbau der Stadt zu helfen. Sogar aus Strassburg, Freiburg und Rheinfelden seien sie gekommen, was Bewunderung verdiene.

* Anmerkung: Franziska Stadelmann ist Präsidentin des Kulturverein Muttenz